Here it is, the subSushi Day 13 - THE DAY WITH THE STAR, THE DAY WITH IVICA VASTIC IN NAGOYA
oder
DER EUROPÄISCHE STANDARD
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Ich wusste es, so ein Interview führt man nur einmal im Leben. Und es bedarf einiger Vorbereitungen, damit alles reibungslos klappt, damit auch sicher nichts schief gehen kann. Wohlweisslich hatte ich Reservebatterien und -Akkus eingepackt, eine neue Kassette gekauft und das Diktafon einige Male getestet. Man will ja nichts dem Zufall überlassen. Doch der lässt sich bekanntlich nicht bändigen. Somit die schlechte Nachricht vorweg. Das Diktafon und meine Fähigkeiten es zu bedienen wersagten just in dem Moment als der grosse Ivica Vastic voraussichtlich das einzige Mal in diesem Leben mir Rede und Antwort stellte.
Soweit so schlecht. So versuche ich den Abend mit meinem laienhaften Journalistengehirn zu rekonstruieren und niederzuschreiben.
Ausgemachter Treffpunkt war beim "Lewen" vor dem Kaufhaus Mitsukoshi im Zentrum Nagoyas. Nachdem ich mich zuvor noch mit einem Bier "aufgewärmt" und einige Fragen im Kopf durchgespielt hatte machte ich mich auf den Weg. Der "Lewe" entpuppte sich als Löwenskulptur. 40 Minuten später blieb ein Van stehen, das Fenster öffnete sich und Ivica Vastic bat mich lächelnd einzusteigen. er entschuldigte sich für die Verspätung, es waren doch mehr Mädchen beim Trainign die ihn um Autogramme baten als er erwartete. Wir beschlossen zu einer Pizzeria in der Nähe seines Wohnortes zu fahren. Auf meine Frage, ob er denn Probleme mit dem Fahren auf der linken Strassenseite habe, entgegnete er verwundert: "Ich kann ja rechts auch fahren, warum soll's dann links nicht gehen?". Zur Unterstützung hat er allerdings auch ein krasses Navi-System, das ihm den Weg, wenn notwendig sogar in 3D, anzeigt. Nebenbei gibt auch noch eine freundliche, weibliche Frauenstimme Hinweise. Die kümmern Ivica Vastic aber wenig. Nein, er spreche kein japanisch sagt er, dafür sei keine Zeit.

Das japanische Mobiltelefon blinkt, klingelt, singt und surrt zugleich. Panadic, er sitzt gerade im Shinkhansen auf dem Weg zum Spiel in Kobe. Eigentlich sollte Ivica ja auch dabei sein, aber der Schiedsrichte hat ihm beim letzten Spiel die Rote gegeben. Dabei habe er natürlcih gar nichts getan was nicht regulär wäre. Er ist ganz schön sauer. "Die Schiedsrichter hier kennen einfach die Regeln nicht gut. Sie sind nicht kompetent! Aber wenigstens fair." sagt Vastic und zeigt aus dem Fenster: "Schau dir das an, sie stehen in einer Reihe um auf den Buss zuwarten.". Er lacht amüsiert: " ..und schau dir an wie sauber hier alles ist!". Der Zusammenhang ist augenscheinlich.
Panadic und Vastic sind gemeinsam von Nagoya Grampus Eight geholt worden. Die Familien sind eng befreundet, treffen sich oft zum Essen, und Panadic und er wechseln sich ab beim zur Schule bringen der Kinder.
Die Gegend wird ruhiger, das krasse Navi-System piebst. Wir fahren an Vastic's Haus vorbei. Es steht in einer Reihe, eng an den Nachbarhäusern, die Hauptfassade gegen den öffentlichen Park gerichtet. Später erzählt er mir es sei eines von drei Häusern die er zur Auswahl hatte. Er habe "europäischen Standard" gefordert. Also hat sich diesbezüglich nichts geändert für ihn. Der fehlende Garten wird durch den Park ersetzt, den vor Allem seine Frau und die Kinder nutzen. Doch ganz so unjapanisch wollte Ivo es dann doch nicht, wenn er schon in Japan lebt, und liess sich ein japanisches Zimmer einrichten. Leider waren seine Kinder schneller und okkupierten es umgehend. Kinder schlafen gerne auf dem Boden, sgat Ivica Vastic (nicht europäischer Standard).

Ein paar hundert Meter weiter taucht die Pizzeria auf. Ein Solitärbau an einer grösseren Strasse mit vorgelagertem Parkplatz. Erinnert mich ein wenig an Urlaubsromantik in Jesolo. Ivica meint hier würde gut gekocht, nach europäischem Standard. Beim Eintreten wird die japanische Belegschaft unruhig ob de Eintreffen des Stars (oder war es wegen meinem mitteleuropäisch standardisiertem Charmes ;-). Alle Augen sind auf uns gerichtet, es wird gegrinst und gemurmelt. Vastic empfiehlt mir diverse Speisen und übernimmt die Bestellung, ganz als fühlte sich er in der Rolle des Gastgebers. Diese wirkt aber eher komisch, da er nur sehr unbeholfen unsere Wünsche bekannt gibt. Die Pizza schmeckt gut und das japanische Bier, so einigen wir uns, sei sowieso ausgezeichnet. Auch hier trifft Vastic's Lieblingsbezeichnug japanischer Verhätlnisse wieder zu.
Ob er sich einsam fühlt, frage ich ihn. Nein, er hat ja Frau und Kinder mit dabei. Und die wiederun haben Panadic's Kinder als Freunde. Ausserdem lernen sie auf der internationalen Schule (Vastic's Kinder wachsen mittlerweile viersprachig auf. Kroatisch, Deutsch, Englisch und Japanisch) ständig neue Freunde kennen. Also auch da kein Problem. Aber seine Frau, wie gehts denn der mit der neuen Situation? Blöde Frage, gibt mir Ivo zu verstehen, die kümmert sich ja um die Kinder, ist aslo vollkommen ausgelastet. Aber das könne ich als Student ja noch nicht wissen. Und klar, dass ich mich für die diversen einschlägigen Lokale und Bars in Nagoya interessiere, er als Familienpapa und Fussballstar habe für solche Dinge aber gar keine zeit. Wenn schon Freizeit, dann in den lokalen Zoo oder in die Stadt zum Shopping. Wo aber ist die Verbindung zwischen ihm und Japan, Nagoya? Wie nutzt er das System Stadt? Kaum, gibt Ivica Vastic offen zu. Es sind ein paar Punkte die er regelmässig streift und die seine immer die gleichen. Aber er wollte das so, er hoffte sogar, dass es so sein würde denn nur do kann er klar seine Ziele verfolgen. Fussball und jetzt endlich wieder die Familie.
Aber eigentlich spricht Ivica Vastic viel lieber von Fussball als über die Stadt und seine soziale Situation. Immer wieder wechselt das Gespräch von meinen, die Stadt und Kultur betreffenden Fragen zum Thema Fussball. Klar, für ihn existiert auch kaum etwas anderes, da bleibt es sogar relativ wo er spielt. Er umgibt sich ja mit "europäischem Standard". Da ist es für ihn tatsächlich gleich ob er von Kroatien nach Österreich wechselt oder von Österreich nach Japan. Wichtig für ihn ist nur, dass sich etwas tut, dass sich was bewegt in seinem Leben. Schliesslich ist er ja interessiert und weltoffen, wie das die unzähligen Reisen in diverse Länder dieser Welt, die er und seine Familie in den Ferien unternommen haben, beweisen. Stillstand ist der Tod.

Und tod war leider auch das Diktafon, als ich es noch selben Abend abhören wollte.

Was Ivica Vastic über die Situation von Sturm, über Hannes Kartnig und Ivica Osim erzählte, wie er den Beruf des Architekten mit dem Führen einer Fussballmannschaft vergleicht, wie seine Villa in Nagoya aussieht und warum er tatsächlich nicht im Nationalteam spielen will, das erfahrt ihr ein anderes Mal ;-)

Daniel Bauer für subSushi, Tokyo 23. 9. 2002